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    Blogbeitrag Julian Büchner - Achtsamkeit für mich im Lehrerberuf

    In diesem Gastbeitrag berichtet Julian Büchner von seinen eigenen Erfahrungen zum Thema Achtsamkeit in der Lehrerausbildung und wie er die eigene Achtsamkeitspraxis in seinen Lehreralltag integriert.

    Achtsamkeitspraxis für mich im Referendariat - ein wahrer Diamant

    Wie wahrscheinlich jede Lehrkraft weiß, ist die Zeit während des Referendariats oft mit großem Druck von außen und innen verbunden. Nach meiner persönlichen Erfahrung ist Achtsamkeits- und Meditationspraxis eine große Hilfe, um mit dieser teils mehrere Jahre andauernder Phase gelingend umgehen zu können. 

     

    Denn zum einen entsteht sehr viel Stress durch die zahlreichen herausfordernden Situationen mit Schüler*innen, Seminarlehrer*innen sowie den Vorgaben und Erwartungen, die an die Referendare gestellt werden. Zum anderen sind die meisten Lehrer*innen in diesem Ausbildungsabschnitt auch konfrontiert mit eigenen Leistungsansprüchen oder bspw. Ängsten vor dem Scheitern und Versagen. So kommt auch noch viel selbstgemachter Druck hinzu. Dies war jedenfalls bei mir so der Fall.

    Die Fähigkeit mit dieser sowohl psychisch als auch physisch extrem herausfordernden Situation umgehen zu können, ist meiner Meinung nach eine riesige Aufgabe und gleichzeitig einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren. Denn die meisten Bedingungen, die für das Gelingen des Referendariats ausschlaggebend sind wie bspw. Klassen, Seminarlehrer*innen, Schulen, Themen usw., sind von den angehenden Lehrkräften kaum oder gar nicht zu beeinflussen. Dies hat bei mir immer wieder in Gefühlen der völligen Abhängigkeit und Hilflosigkeit gemündet, was für mich sehr schwer zu ertragen war. Hier war meine Praxis der Achtsamkeitsmeditation immer wie ein sicherer Hafen, ein Ort des Schutzes und der Erholung. Durch die urteilsfreie Erforschung meiner Gedanken, Gefühle und Körperzustände gelang es mir in der Regel heftige Zustände zu beruhigen und mich auf das zu fokussieren – Arbeit, Freizeit, Prüfung usw. – was eben im Moment vorhanden war. Das hatte häufig die Folge, dass ich wieder zur Ruhe finden konnte. Gerade in solch schwierigen Phasen ist es sehr hilfreich sich abgrenzen zu können und negative Gedankenspiralen die Energie zu nehmen.  Rückblickend bin ich auch sehr dankbar für diese schwierige Zeit, da dieser große Druck und Stress in mir einen wahren Diamanten geformt haben, nämlich mein Vertrauen auf die positive Wirkung der Achtsamkeitsmeditation.

    Achtsamkeit hilft beim Erkennen

    Aber gleich vorne weg: Achtsamkeit zaubert diese Gefühlslagen nicht einfach weg oder macht einen unempfindlich dagegen. Nein, sie hilft, die Probleme, Gefühlslagen und belastenden Gedankengänge so zu erkennen, wie sie sich im Moment offenbaren. Diese Auseinandersetzung hat jedoch oft eine abkühlende Wirkung, da das meiste Leid durch die zu starke Identifikation mit Ängsten, Sorgen und möglichen, aber nicht realen Katastrophen verursacht wird. In der Meditation aber auch im achtsamen Moment, werden diese fiktiven Belastungen als solche erkannt und verlieren dadurch ihre Kraft.

    Meine 25 Minuten Zugfahrt

    Die kontinuierliche Verankerung im momentanen Augenblick zusammen mit einer Haltung der Akzeptanz hilft mir jeden Tag mit den Herausforderungen des Schulalltags gelassener zurechtzukommen und die Augenblicke der Verbundenheit und der Freude, welche ja auch zur Schule dazugehören, wesentlich intensiver zu genießen. Darum beginne ich jeden Tag mit einer 25-minütigen Meditation auf der Zugfahrt in meine Arbeitsstelle und beende ihn auf die gleiche Weise. Dies hilft mir von unnötigen stressvollen und belastenden Gedanken während meines Arbeitswegs abzulassen, denn mögliche Konflikte mit Schüler*innen oder Schwierigkeiten im Unterricht lassen sich nur sehr selten im Zug sitzend erledigen. Stattdessen hilft die Meditation dabei den Tag fokussiert und gelassen zu beginnen und wieder abzuschließen. Ich und auch meine Klassen merken es sofort, wenn ich von dieser Routine abgewichen bin. 

    Foto: Viviana Rishe 

    Infos zum Autor:

    Hi, mein Name ist Julian. Ich arbeite als Deutsch- & Sportlehrer an Schulen und nebenbei gebe ich auch Meditationskurse. 

    Den ersten Blogbeitrag von Julian zum Thema Wie ich zur Achtsamkeit gekommen bin ... findest du hier.

     

     

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