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    Blogbeitrag Julian Büchner - Wie ich zur Achtsamkeit gekommen bin …

    In diesem Gastbeitrag beschreibt Julian Büchner, wie er das Thema Achtsamkeit für sich entdeckt hat. Julian arbeitet als Deutsch- & Sportlehrer an Schulen und bietet auch Meditationskurse an. 

    Warum Achtsamkeit?
    Es gibt unzählige Gründe und Ursachen für die Auseinandersetzung mit dem Thema Achtsamkeit. Sie kann uns große Momente des Glücks und der Freude schenken, unseren Kontakt mit uns selbst und mit der Welt spürbar machen. Sie kann uns aber auch in schweren Krisen und Konflikten zur Seite stehen und uns stärken.

    Meine Reise zur eigenen Achtsamkeitspraxis

    Im folgenden Artikel blicke ich mit der Frage auf die vergangenen Jahre meines Lebens zurück, wie es dazu kam, dass ich mich mit dem Thema Achtsamkeit auseinandergesetzt habe, wie es so große Bedeutung für mich erlangt hat und wie daraus mein Verständnis von dieser Thematik entstanden ist. Rückblickend wurde meine Reise zur eigenen Achtsamkeit durch mehrere krisenhafte Phasen meiner Ausbildung zum Lehrer initiiert und gefördert. Im Jahr 2013 stand für mich das 1.Staatsexamen in Deutsch und Sport für Gymnasiallehramt an. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich alle großen und kleinen Prüfungen eher auf die leichte Schulter genommen. Im Verlauf meines Studiums hatte ich immer besser gelernt, wie ich mich solide für diese Herausforderungen vorzubereiten hatte, um weder in den Lern-, noch in den Prüfungsphasen in großen Stress zu geraten. Über den Ausgang dieser Prüfungen machte ich mir bis dahin keine Gedanken und ich hatte meist genügend Interesse an den jeweiligen Inhalten, so dass mir das Lernen im Großen und Ganzen immer sehr leicht viel. Dies sollte sich aber nun im Verlauf meiner Vorbereitungen zum Examen erheblich ändern. Ungeachtet der Tatsache, dass ich im März, also knapp fünf Monate vor Beginn der Prüfungen, mit dem Lernen und den entsprechenden Kursen begonnen hatte, konnte ich die Last dieser doch sehr entscheidenden Prüfung für meine Zukunft als Lehrer immer schlechter ignorieren. Je näher die Prüfungstermine im August rückten, desto mehr Register zog ich, um mit der Angst vorm Scheitern zurechtzukommen. Erhöhung meines Arbeitspensums, Gespräche mit Freunden und Familie, Sport und natürlich auch das Nachdenken über mögliche berufliche Alternativen halfen immer weniger konzentriert und hoffnungsvoll bei der Sache zu bleiben. Bis es etwa sechs Wochen vor Beginn immer häufiger zu der Situation kam, dass ich wie versteinert vor Angst, Sorge und Zweifel an meinem Schreibtisch saß und außerstande war zu arbeiten oder irgendeinen hoffnungsvollen Gedanken zu schöpfen. Mein Geist kreiste nur noch um das Bild von den riesigen Stoffbergen aus der Germanistik und den Sportwissenschaften, die zu lernen notwendig schienen, um die bevorstehenden Prüfungen zufriedenstellend bewältigen zu können. Es war, als würde ich in einen hypnotischen Abgrund blicken, der alle meine zur Verfügung stehende Aufmerksamkeit und Energie aufzehrte, so dass für nichts anderes mehr Raum und Kraft übrigblieb.

    Body Scan und Atemmeditation

    Im Wissen, dass es so nicht weitergehen konnte, rief ich meine beste Freundin an und bat sie um Hilfe, die darin bestand mir eine Handvoll Audiodateien zu schicken, die ich mir mal anhören solle. Die darin enthaltenen geleiteten Meditationen würden ihr meistens helfen zur Ruhe zu kommen und den Stresspegel zu senken. Ich begann sofort meine ersten Meditationsversuche mit diesen Anleitungen. Es handelte ich um einen klassischen Body Scan zur Entspannung und eine Einführung in die Atemmeditation. Ich stellte zu meinem Erstaunen bereits nach dem ersten Mal fest, dass ich mich auf diese Weise von meinen Schreckensphantasien distanzieren konnte. Die Meditation half mir wieder in den Moment zurückzukommen, in welchem keine Prüfung zu schreiben war und meine Zukunft, mein Leben noch frei und offen vor mir lag. Es ging nur darum, dass ich mich wie sonst auch neugierig und entspannt mit den Inhalten meines Studiums auseinandersetze.

    Nach einer etwa fünfzehnminütigen Meditation konnte ich nun wieder für längere Zeit konzentriert und ruhig lernen, ohne von angstvollen Gefühlen und Gedanken überwältigt zu werden. Ich war unglaublich erleichtert und so begann ich, meinen Arbeitstag mit regelmäßigen Meditationspausen zu strukturieren, die ich als unheimlich angenehm und erfrischend erlebte. Im Zuge dieser ersten Erfahrungen lernte ich auch, wie ich mich durch langsame Bauchatmung und Fokussierung auf meinen Körper willentlich beruhigen und sammeln konnte. Als der Moment der Prüfungen gekommen war, gelang es mir, die in den Meditationen erlernten Entspannungs- und Fokussierungstechniken tatsächlich anzuwenden. So konnte ich sowohl die schriftlichen als auch die zahlreichen mündlichen Prüfungen gut bewältigen.

    Was im Moment gerade ist

    Den Schlüssel zu diesem Erfolg sehe ich im Rückblick darin, dass mir die Praxis der Achtsamkeit gelehrt hatte, das, was im Moment vorhanden ist, deutlich genug zu erkennen, um daraus das Bestmögliche zu machen. Im Hinblick auf eine Prüfungssituation heißt dies, dass der gegenwärtige Moment vor allem aus den Aufgaben der Prüfung und meinem derzeitigen Wissen und meinen Fähigkeiten besteht. Sorgen über den Ausgang der Prüfung, Gedanken über fehlendes Wissen und weitere Ängste, können durch achtsames Gewahrsein als Fiktionen unseres Geistes erkannt werden und verlieren an Macht über uns. So können alle zur Verfügung stehenden Energien und Ressourcen auf die Bewältigung der momentanen Herausforderung aufgewendet werden.

    Von der eigenen Achtsamkeitspraxis ins Klassenzimmer

    Hier habe ich zum ersten Mal erkannt, dass neben dem nötigen Wissen, den fachlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten auch die Fähigkeiten zur Selbstregulation eine zentrale Rolle für ein gelingendes Leben sind. Die Schule und Universität bemüht sich in den meisten Fällen sehr darum, den Lernenden Wissen und fachliche Fähigkeiten zu vermitteln, aber wie steht es um Achtsamkeit und Selbstregulation? Die Fähigkeit den Moment so klar zu sehen wie möglich und dadurch mit Ängsten, Zweifeln und anderen Ablenkungen zurechtzukommen, um die Herausforderungen des gegenwärtigen Augenblicks bestmöglich bewältigen zu können? Was wird dafür unternommen, dass Heranwachsende lernen den Moment ohne die irrationale Gedanken und Ängste so klar wie möglich zu erkennen. Wer hilft ihnen zu begreifen, wie man sich fokussiert, konzentriert und in einen entspannten Zustand versetzt? Zum Ende meines Studiums war ich durch Zufall und aufgrund von erheblichem Leidensdruck auf die Praxis der Meditation und Achtsamkeit gestoßen, die mir diese Kompetenzen lehrte. Als mir dies bewusst wurde, fasste ich den Entschluss, diese Entdeckung mit meinen zukünftigen Schüler*innen zu teilen.

     

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