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    We can change the brain by changing the mind – Ein Nachmittag mit Richard Davidson

    Unbezahlte Werbung I Im folgenden Blogbeitrag teile ich, Eva Kastenmeier, meine Notizen mit euch, die ich während der Veranstaltung mit Richard Davidson gemacht habe. Ich bin selbst Lehrerin und der Nachmittag war voller interessanter Themen und Inspirationen.

    Mitte März durfte ich mit einer Gruppe aus Kollegen und Studenten nach München fahren und an der Veranstaltung „We can change the brain by changing the mind“ teilnehmen. Der Nachmittag fand im Rahmen des ersten „Forum für den Wandel“ statt, eine Initiative der Edith-Haberland-Stiftung. Prof. Dr. Richard Davidson ist ein renommierter Hirnforscher und Pionier auf dem Gebiet der Achtsamkeit sowie Gründer und Leiter des Center for Healthy minds.

    An der Veranstaltung durften nur SchülerInnen, StudentInnen und PädagogInnen teilnehmen. Das Hauptthema des Nachmittags ist Wohlbefinden. Richard Davidson spricht vor allem darüber, dass Wohlbefinden eine erlernbare Fähigkeit ist. Daraus folgt die spannende Frage: Wie können wir unser Wohlbefinden nähren und erhalten?

    Neuroplastizität als Grundlage

    Einleitend geht der Forscher auf das Thema Neuroplastizität ein, d.h. unser menschliches Gehirn reagiert auf Erfahrungen und kann dadurch verändert werden. Wir haben es selbst in der Hand, gesunde Gewohnheiten zu kultivieren und unseren Geist zu trainieren. Hier ist der Zusammenhang zur Bildung besonders groß. Um lernen zu können, ist es wichtig, dass Schüler aufmerksam sein können und ihren Fokus gezielt auf etwas richten können. Dies kann durch Übungen trainiert werden.

    Richard Davison nennt wichtige Zeiträume im Leben eines Menschen, in denen sich unser Gehirn massiv umorganisiert. Hierzu zählt die Zeit um unsere Geburt, die Vorschul-Einschulungszeit (4 bis 7 Jahre) sowie die Pubertät. Er hebt hervor, dass mentales Training vor allem bei Jugendlichen enorme Wirkung haben können! 

    Vier Kernelemente für Wohlbefinden

    Um die einleitende Frage zu beantworten, erläutert Richard Davison vier Kernelemente für Wohlbefinden: Bewusstsein, Verbindung, Erkenntnis und ein Gefühl von Sinnhaftigkeit.

    1. Bewusstsein

    Richard Davidson stellt die Frage: „Wissen wir immer, was unser Geist gerade macht“? Dass dies nicht der Fall ist, zeigt das anschauliche Beispiel, wie oft wir ein Buch lesen und auf der nächsten Seite nicht mehr wissen, was wir auf der vorherigen Seite gelesen haben.
    Prof. Davidson zeigt auf, wie wichtig Bewusstseins-Training im Zusammenhang mit Lernen ist. Wir brauchen im Bildungssystem beides: deklaratives Wissen, d.h. Informationen können bewusst aufgenommen werden und später wieder bewusst und aktiv abgerufen werden, und prozeduales Lernen. Hierbei findet Lernen statt, ohne dass wir uns bewusst machen, dass wir dabei lernen.

    2. Verbindung

    Hierbei stehen Dankbarkeit, Herzlichkeit und Wertschätzung im Vordergrund. Es ist so wichtig, vor allem für eine Lehrkraft, sich dieser Themen immer wieder bewusst zu machen und, dass jeder Mensch glücklich sein möchte. Jedes Kind, jeder Schüler, hat diesen gleichen Wunsch. Hierbei geht Richard Davidson auf die Problematik unbewusster Vorurteile im Bildungskontext ein.

    Zu einem späteren Zeitpunkt wird das Thema Verbindung nochmals aufgegriffen. Richard Davidson beantwortet die Frage, ob wir eine andere Art von Lehrerbildung benötigen. Er findet es wichtig, das Thema Wohlbefinden und mentale Übungen in die formelle Lehrerausbildung zu integrieren. Es kann dabei helfen, Lehrer mit Werkzeugen auszustatten, die sie im Klassenzimmer benötigen. Aber Verbindung bedeutet nicht nur die Lehrer-Schüler-Beziehung sondern auch die Verbindung der Lehrkraft zum eigenen „Lehrer-Sein“. Diese kann im Laufe eines Lehrerlebens verloren gehen und Richard Davidson betont, wie wichtig es ist, diese Verbindung zu nähren.

    3. Einsicht

    Unser Geist erzählt uns Geschichten. Diese können positiv oder negativ sein. Wir erzählen uns viele Geschichten über uns selbst und oft glauben wir diese Geschichten. Richard Davidson fordert uns auf, dass wir uns diese Geschichten bewusst anschauen. Sie sind nur eine Ansammlung von Gedanken. Und wir können diese Geschichten verändern, indem wir unseren Geist verändern. Durch mentales Training werden wir weniger von diesen Geschichten entführt und können Resilienz aufbauen. Richard Davidson geht auch auf gestiegene Depressionsraten bei Jugendlichen ein und weist darauf hin, wie notwendig es ist, dass wir Kinder bereits frühzeitig Werkzeugen mitgeben, um das eigene Wohlbefinden zu nähren. 

    4. Sinnhaftigkeit

    Was ist der zentrale Sinn in deinem Leben? Was sind deine Werte? Richard Davidson betont, wie wichtig ein starkes Gefühl von Sinnhaftigkeit im Leben ist. Er fordert uns auf, den eigenen Sinn im Leben zu identifizieren und anderen dabei zu helfen, diesen zu finden. Die Suche beginne in der Pubertät und mentale Übungen können dabei helfen, den Sinn des Lebens zu finden.

    Richard Davidson erinnert uns abschließend daran, dass jeder Mensch die Möglichkeit hat, das Gehirn zu verändern, in dem wir unser Leben verändern und unseren Geist trainieren. Er schließt mit einem Appell: Jeder Mensch hat die Möglichkeit, den eigenen Geist zu verändern! Lasst uns anfangen, unsere Fähigkeiten zu nähren und aufzublühen! Schließe dich dieser Reise an - Join us in this journey!

    Meine persönlichen Highlights an diesem Tag:

    - Es hat mich tief berührt, wie viele Menschen im Bildungssystem sich für die Themen Achtsamkeit, Hirnforschung und Wohlbefinden interessiert haben. Die Alte Kongresshalle in München war komplett voll. Dies schafft bei mir ein großes Gefühl an Verbundenheit. Ich freue mich so sehr auf die Entwicklung in dem Bereich und freue mich, dabei zu sein! 

    - Es ging mir sehr nah, als Richard Davidson angesprochen hat, dass viele Lehrer die Verbindung zu ihrem Lehrer-Sein verloren haben. Das „Warum mache ich diesen Beruf?“ geht oft im Trubel des Alltags unter und im Laufe eines Lehrerlebens ist es nicht leicht, diese Verbindung zu seinem Warum zu behalten. Deshalb finde ich es so so wichtig, sich immer wieder daran zu erinnern und die Verbindung zu sich selbst zu nähren. Das ist wohl die Grundlage für ein gesundes langes Lehrerleben und viele wundervolle Lehrer-Schüler-Beziehungen, die uns alle stärken und beim Blühen helfen. 

    - Es durften auch Schüler auf die Bühne und Fragen stellen. Mein Favorit: „Was ist die beste Form von Meditation?“ Richard Davidson: Die Meditation, die du tatsächlich machst! Wir müssen die Menschen dort abholen, wo sie stehen. Ein paar Minuten pro Tag sind in Ordnung.

    Vielen Dank an alle, die diesen Nachmittag ermöglicht haben! Ich freue mich schon sehr auf weitere Veranstaltungen!

    Eva Kastenmeier

     

    Infos zur Autorin:

    Mein Name ist Eva Kastenmeier, ich bin Lehrerin und Gründerin der Achtsamen Pause. Ich unterrichte Achtsamkeitsübungen in meinem Unterricht und die Themen Achtsamkeit und Mitgefühl sind inzwischen tragende Säulen für meine (Lehrer)-Gesundheit geworden. Ich freue mich auf den Austausch mit euch unter diesem Blogbeitrag, über jede Nachricht per Mail (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) oder auf Instagram

    Weitere Informationen und Inspirationen für euch, viel Freude beim Stöbern!

    Ein Beitrag der Edith-Haberland-Stiftung zur Veranstaltung

    Mehr Informationen zu Richard Davidson und seiner Arbeit

    Moderator des Vortrags: Prof. Dr. Andreas de Bruin: Initiator und Leiter des Münchener Modells „Achtsamkeit und Meditation im Hochschulkontext“

    In der aktuellen Ausgabe des Moment-by-Moment-Magazins findet ihr auch einen Beitrag über Richard Davidson 

    Fotos: Eva Kastenmeier

     

    2 Kommentare

    • Kommentar-Link Dörte Westphal Freitag, 17 Mai 2019 13:31 gepostet von Dörte Westphal

      Liebe Eva,

      vielen Dank für das Teilen deiner Erfahrung und der Informationen zur Veranstaltung. Ich bin auch dabei gewesen und wurde sehr angeregt durch das explizite Herausstellen des Wohlbefindens. Hier steht nicht das Defizit im Vordergrund oder wie Kinder bessere SchülerInnen werden und noch mehr Lernstoff aufnehmen können (Helle Jansen benutzt hierfür den Begriff "Tankstelle"). Sondern wir alle haben das Bedürfnis nach Zufriedenheit und Freude. Und da gibt es einiges Neues zu gestalten an den Schulen.
      Ja, wenn ich als Lehrerin keinen Kompass mehr habe für mein Tun und nur am Eintrichtern bin, verringert sich mein Wohlbefinden und das Stressempfinden steht sehr im Vordergrund. Und am Ende wird das Kind, der Jugendliche zu meinem Feind (das ist jetzt stark ausgedrückt, ich weiß).

      Herzlich Dörte aus Freiburg

    • Kommentar-Link Artemis Katefidis Donnerstag, 02 Mai 2019 17:10 gepostet von Artemis Katefidis

      Die Aussage "Die beste Meditation ist die, die du jeden Tag machst. Egal wie lange!" ist so motivierend für mich!
      Danke für deinen tollen Beitrag, Eva!
      Alles Liebe

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